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Wirtschaft

09.04.2018 - Artikel

Stand: April 2018

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die Wirtschaft Ruandas wächst seit einigen Jahren jährlich um durchschnittlich sechs bis sieben Prozent (2016: 6 Prozent). 2017 lag es aufgrund eines schwachen ersten Halbjahres bei 5,2 Prozent. Das Wachstum im vierten Quartal 2017 lag bei acht Prozent. Auch die Prognosen für die kommenden Jahre liegen auf diesem Niveau. Größten Anteil an der Wirtschaftsleistung mit knapp 50 Prozent hat der Dienstleistungssektor (Finanzdienstleistungen, Informationstechnologien, Versicherungswesen, Tourismus). Die Landwirtschaft liegt mit rund 30 Prozent auf Platz 2. Die Industrie (Bausektor, Kleinindustrie im verarbeitenden Gewerbe und Konsumgüter) hat einen Anteil von knapp 15 Prozent (Daten von 2015). Die in den letzten Jahren sehr niedrige Inflationsrate von ca. 2 Prozent stieg zwischenzeitlich stark an und betrug im April 2017 9,4 Prozent. Bis Jahresende sank sie jedoch auf ein Rekordtief von 0,7 Prozent im Vergleich zum Dezember 2016.

Ruanda hat sich für die Zukunft ehrgeizige Ziele gesteckt und möchte 2020 den Status eines 'Middle Income Country' mit einem pro Kopf-Bruttoinlandsprodukt von 1.045 US-Dollar erreichen (2016: 702 US-Dollar), was realistisch gesehen nicht mehr erreichbar ist. Ruanda beabsichtigt, längerfristig zweistellige Wirtschaftswachstumsraten zu erzielen und setzt auf massive Investitionen in den Transport-und Energiesektoren (Wasserkraft, Erdwärme, Methangas im Kivu-See und Solarenergie), in die Modernisierung der Landwirtschaft und die Förderung der Industrie sowie in den Ausbau des Tourismus. Dem Privatsektor soll dabei eine Schlüsselrolle zukommen. Die Regierung unternimmt deshalb zahlreiche Anstrengungen, um insbesondere ausländische Investoren anzuziehen. Im 'Doing Business Report' der Weltbank zu den Investitionsrahmenbedingungen steht Ruanda unter den Ländern Afrikas regelmäßig an zweiter oder dritter Stelle.

Ruanda nimmt an der „Compact with Africa“-Initiative teil, die im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 ins Leben gerufen wurde und die sich zum Ziel gesetzt hat, die Investitionsbedingungen in ausgewählten afrikanischen Ländern zu verbessern. Hierdurch sollen Privatinvestitionen als Grundlage für Wachstum und Beschäftigung gefördert werden. Ruanda hat einen umfassenden Reformkatalog vorgestellt und plant Maßnahmen u.a. zur Sicherstellung der Schuldentragfähigkeit und zur Verbesserung des regulatorischen Umfelds von Investitionen.

Das Korruptionsniveau ist auch im weltweiten Vergleich niedrig.

Trotz großer Fortschritte und ehrgeiziger Pläne bleiben für Ruanda allerdings auch enorme Herausforderungen zu meistern: Mangel an installierter Energie (nur etwa 25 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zur Stromversorgung) und an ausgebildeten Fachkräften, hohes Bevölkerungswachstum (von 2,4 Prozent), Landknappheit, vermehrte Auswirkungen des Klimawandels (Dürren, Starkregen). Zudem gehört Ruanda zu den Ländern mit den weltweit höchsten Transportkosten (s.u. Verkehrsinfrastruktur).

Armutsbekämpfung

Ruanda gehört zu den ärmsten Ländern weltweit (Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen 2016: Platz 159 von 188). Trotz aller bisherigen Entwicklungsanstrengungen und Erfolge leben weiterhin rund 40 Prozent der Bevölkerung in Armut. Die weitere Verringerung der Armut steht deshalb im Mittelpunkt der "Vision 2020" und der Armutsbekämpfungsstrategie der ruandischen Regierung für 2013-2018 (EDPRS II) sowie die Nachfolgestrategie NSTP 2017-2024.

Als eines von wenigen Ländern hat Ruanda fast alle Milleniumsentwicklungsziele (MDG) erreicht - so u.a. das zentrale Ziel der Halbierung der extremen oder absoluten Armut (2015: 16,3 Prozent – 2005: 35,8 Prozent). Auch die Ziele zur Verringerung der Kindersterblichkeit, Müttersterblichkeit und Gesundheit wurden erreicht. Durch das von der Regierung angestrebte Wirtschaftswachstum sollen sich die Zahlen weiter verbessern.

Außenhandel

Wichtigste Exportgüter für Ruanda sind Mineralien (ca. 37 Prozent im ersten Quartal 2016), Tee (ca. 24 Prozent), Kaffee (ca. 9 Prozent) und landwirtschaftliche Erzeugnisse (ca. 5 Prozent). Etwas mehr als 30 Prozent der Exporte gehen in die Staaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), insbesondere nach Kenia. Rund 25 Prozent in andere afrikanische Länder und 14 Prozent nach Europa. Importiert werden primär Treibstoffe, Baumaterialien, Fahrzeuge und Maschinen.

Ruanda treibt die regionale Integration im Rahmen der EAC und des Gemeinsamen Ost- und Südafrikanischen Marktes (COMESA) voran. Zusammen mit den Mitgliedern der EAC wurden seit Januar 2010 in wichtigen Bereichen Integrationsschritte beschlossen: gemeinsamer Binnenmarkt, mittelfristig Währungsunion, regionale Infrastrukturprojekte – so beispielsweise im Bereich Energie, Transport, Zoll und Finanzsektor. Es bleibt abzuwarten, inwieweit diese ambitionierten Pläne auch tatsächlich umgesetzt werden.

Verkehrsinfrastruktur

Das Hauptstraßennetz mit gut 1.000 Kilometern asphaltierter Straßen ist eines der besten in der Region. Viele der Zubringerstraßen befinden sich hingegen in schlechtem Zustand, was die Einbindung mancher Regionen in den Wirtschaftskreislauf erschwert und verteuert. Ein weiterer Ausbau des Straßennetzes erfolgt mit Unterstützung multilateraler Geberorganisationen (Weltbank, EU, Afrikanische Entwicklungsbank) sowie China als wichtigem Investor. Ruanda hat noch keinen Eisenbahnanschluss und verfügt nur über unbedeutende Binnenhäfen am Kivu-See.

Mit Kenia, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo plant Ruanda schon seit geraumer Zeit den Ausbau des "Northern Corridor Transit and Transport" im Rahmen der Northern Corridor Initiative. Straßen sollen ausgebaut werden, eine Bahnverbindung von Mombasa/Kenia nach Kampala/Uganda über Kigali bis nach Juba in Südsudan entstehen. Da die anhaltenden politischen Krisen in der DR Kongo und im Südsudan jedoch die Fertigstellung verhindern, hat Ruanda kürzlich eine Vereinbarung mit Tansania getroffen. Das bereits bestehende Schienennetz zwischen Daressalam und Isaka soll bis Kigali und Bugesera erweitert werden. Die Finanzierung ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Die Kosten für die 521 km lange Strecke (davon 150 km in Ruanda) belaufen sich voraussichtlich auf 1,8 Mrd. USD.

Es gibt einen internationalen Flughafen in Kigali. Die Flotte der staatlichen Fluggesellschaft RwandAir wurde 2015 um zwei Airbus-Maschinen erweitert. Neben zahlreichen afrikanischen Destinationen bietet RwandAir seit 2017 auch Direktflüge nach London, Brüssel und Mumbai an. Der weitere Ausbau des Flugnetzes ist geplant (u.a. New York ab 2019). Im August 2017 begann der Bau des neuen und weitaus größeren Flughafens in Bugesera (ca. 60 km südlich von Kigali), der den bereits voll ausgelasteten städtischen Flughafen entlasten soll. Der neue Flughafen soll auch an das geplante Schienennetz angeschlossen werden. Die Straßenverbindungen zu den nächsten Seehäfen Mombasa und Daressalam/Tansania betragen jeweils ungefähr 1.500 Kilometer. Die Binnenlage, hohe Abgaben, geringe Transportvolumina und schwache Konkurrenz machen Ruanda zu einem der Länder mit den weltweit höchsten Transportkosten.

Umwelt

Die Böden sind infolge der intensiven Landwirtschaft von Erosion bedroht. Weite Teile der ursprünglichen Bergwälder wurden in der Vergangenheit brandgerodet oder abgeholzt. Die Regierung unterstützt Terrassierungs- und Ressourcenschutzprogramme und hat die Entwicklung einer 'Green Economy' zum zentralen Ziel ihrer "Vision 2020" definiert. Sie unternimmt ernsthafte Anstrengungen zum Erhalt und zur Wiederaufforstung der Restwälder als Schutzgebiete.

Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, dass viele der ruandischen Haushalte in einem Land mit der höchsten afrikanischen Bevölkerungsdichte mit Holz oder Holzkohle kochen. Die Regierung räumt der Entwicklung alternativer, umweltschonender Energieformen hohe Priorität ein. Der Anteil der Wasserkraft am Gesamtenergieangebot beträgt bereits 60 Prozent und soll weiter ausgebaut werden, auch um die Abhängigkeit von Dieselimporten zu verringern.

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