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Kultur und Bildung

13.08.2018 - Artikel

Stand: August 2018

Bildungspolitik

Das ruandische Bildungssystem sieht 4 Stufen vor: Kindergarten (pre-primary), Grundschule (primary – 6 Jahre), Oberschule (secondary – 6 Jahre, geteilt in lower secondary – 3 Jahre- und higher secondary – 3 Jahre) und Universität (higher) mit einem bedeutsamen TVET Strang auf der Ebene Oberschule und Universität.

Schulzwang besteht für 9 Jahre vom 7. – 15. Lebensjahr, also für Grundschule und Oberschule  (lower secondary). Am Ende der Grundschule, der „lower“ und der „higher“ Oberschule finden nationale Prüfungen statt. Die Lehrsprache ist bis zur 3. Klasse der Grundschule Kinyarwanda und danach Englisch.

Die Einschulungsrate beträgt 97,7 Prozent (MINEDUC 2016); die „completion rate“ für die Grundschule liegt jedoch nur bei 65,2 Prozent (MINEDUC 2016).  Nur 70% der Kinder mit Lerneinschränkungen werden in die Grundschule eingeschult.

Die staatliche Hochschullandschaft befindet sich seit dem Jahr 2013 in einem umfassenden Umstrukturierungsprozess. Die bisherige National University of Rwanda wurde aufgelöst, die University of Rwanda (UR) gegründet. An der UR waren im Jahr 2017 knapp 30.000 Studierende eingeschrieben.

Das Land gibt nur 0,5% seines nationalen Budgets für allgemeine Hochschulen aus. Die UR soll neue Wege der Finanzierung finden, z.B.  Unterstützung durch Alumni oder durch den Ausbau von gewinnbringenden Dienstleistungen durch die schools. Das Bildungsministerium hat gleichzeitig die Studiengebühren erhöht. 

Die Regierung legt einen Fokus auf die Stärkung der Bereiche Information and Communication Technology (ICT) und Science, Technology, Engineering and Mathematics (STEM). In diesen Bereichen ist Ruanda  seit Januar 2016 Standort von vier Exzellenzzentren, die von der Weltbank-Initiative Eastern and Southern Africa Higher Education Centers of Excellence mit 20 Millionen USD für fünf Jahre gefördert werden. Die Exzellenzzentren sind an die UR angeschlossen, bieten ausschließlich Master- und PhD-Programme sowie berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten an. Am Exzellenzzentrum Energy for Sustainable Development studieren und forschen 40 Doktoranden und 120 Masterstudenten.

Hochkarätige Bildung ist eine Säule der ruandischen Vision 2020 bzw. 2035. Das Ziel ist eine wissensbasierte Wirtschaft. Seit  dem Jahr 2014 nimmt die UR an international anerkannten Rankings teil. Im Webometrics Ranking 2017 belegt die UR Platz 96 unter den 1520 bewerteten Universitäten in Afrika. 

Zwölf private Universitäten bzw. Institute  sind in Ruanda derzeit zugelassen.

Die amerikanische Elite-Universität Carnegie Mellon hat 2012 einen Campus in Kigali eröffnet und baut derzeit neu. Angeboten werden zwei Masterprogramme aus dem IT-Bereich. Seit 2016 ist auch das African Institute of Mathematical Sciences (AIMS) in Ruanda mit 5 Lehrstühlen vertreten.

Die Regierung fördert verstärkt auch die berufsbildenden Zweige und die technischen Hochschulen (TVET – Technological and Vocational Education and Technology).

Im Juni 2018 wurde der Nationale Forschungs- und Innovationsfund (NRIF) mit einem Darlehen der African Development Bank aufgelegt. Er soll vor allem Innovationen in Wissenschaft und Technik unterstützen.

Kulturpolitik

Die ruandische Kulturpolitik steht immer noch im Zeichen der Bewältigung der Folgen von Krieg und Genozid sowie der nationalen Aussöhnung. Die öffentliche Kulturförderung gestaltet sich infolge geringer Mittel schwierig. Das kulturelle Leben in Ruanda ist vielfältig (Musik, traditioneller Tanz, Kunsthandwerk).

Ruanda hat seine Museen neu und modern ausgerichtet. Neben dem Kandt-House-Museum zur gemeinsamen deutsch-ruandischen Kolonialgeschichte gibt es in Kigali das Genozid-Memorial, das Rwanda Art Museum im alten Präsidentenpalast und im Parlamentsgebäude das Campaign Against Genocide Museum (CAG). In Karongi am Kivusee steht das Umweltmuseum mit von Deutschland geförderter Kinder-Lese-Ecke und im Süden findet sich der Königspalast in Nyanza sowie das ethnografische Museum in Butare (das 8. Museum in Nyanza, die frühere Gemäldegalerie,  soll zukünftig eine neue Ausstellung beherbergen).

Verschiedene Kulturveranstaltungen haben sich etabliert:

Im Bereich Film findet seit mehreren Jahren das Rwanda Film Festival statt. Es wurde vom Kwetu Film Institut initiiert. Deutschland unterstützt derzeit die „Master class“ dieses Instituts. Seit kurzem gibt es daneben noch das Mashariki Africa Film Festival und das auf Filme von Frauen spezialisierte Urusaro International Women Film Festival.

Das Ubumuntu Arts Festival und das Festival East African Nights of Tolerance bringen Theater und Tanz auf die Bühne. Und auch Musikfestivals finden neben einigen Einzelkonzerten statt, z.B. Kigali Up.

Daneben gibt es auch verschiedene Kunsthäuser, u.a. das Inema Art Center für bildende Künstler  und das Ishyo Arts Center, welches u.a. alle 2 Jahre das KINA Festival, ein Theaterfestival für Kinder, organisiert.

In jüngster Zeit haben auch verschiedene Modeevents stattgefunden, z.B. die Kigali Fashion Week.

Im Sportbereich findet besonders Fußball in Ruanda viele interessierte Anhänger. Auf Lokalebene gibt es verschiedene größere und kleinere Sportvereine, die dem erheblichen Mangel an Sportmaterial und -ausrüstung trotzen und den Jugendsport fördern. Die Botschaft unterstützt Fußballprojekte im Land, darunter Trainerkurse, Expertenentsendungen, auch im Bereich des Frauenfußballs. Aber auch Handball, Volleyball, Marathon, Triathlon und Radrennen sind beliebte Sportarten in Ruanda. Bekannt ist die Tour du Rwanda, an der auch ein von Deutschland unterstütztes internationales Team teilnimmt.

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